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Ein Zeitzeuge aus Auschwitz berichtet am Gustav-Freytag-Gymnasium

Horst Walkling-Röhn

Dieser Ort sei allzeit ein Aufschrei der Verzweiflung und Mahnung an die Menschheit. Hier ermordeten die Nazis über eineinhalb Millionen Männer, Frauen und Kinder. Die meisten davon waren Juden aus verschiedenen Ländern Europas.
So lautet der Text des Denkmals im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, welches 1967 auf Initiative des Internationalen Auschwitz Komitees errichtet wurde.

Auch Horst Walkling-Röhn, der am 14.06.1928 geboren ist, war an diesem Ort. Doch er war einer der wenigen, der Auschwitz überlebte.

Auf Initiative von Michael Stade und der Organisation „Aktionsbündnis gegen Rechts" berichtet Walkling-Röhn als Zeitzeuge von Auschwitz in Vorträgen über sein Leben. Am 06.01.2010 besuchte er die zehnte und die zwölfte Klasse des Gustav-Freytag-Gymnasiums in Siebleben. Walkling-Röhn reflektierte über seine Verhaftung 1942 in Holland mit seinen Großeltern, die er zeitlebens nie wieder sah sowie über seine Deportation als 14-jähriger ins Konzentrationslager Auschwitz. Des Weiteren berichtete er, wie es ist, den Tod täglich im Nacken zu haben, als „minderwertiges Erbgut" beschimpft zu werden und ständig unter Hunger und Angst leiden zu müssen. Besonders bewegend waren seine Ausführungen über medizinische Versuche, die an ihm durchgeführt wurden und unter deren Spätfolgen er heute noch leidet. Walkling-Röhn beschrieb eindrucksvoll die Strapazen, Qualen, Ängste und Hoffnungen während der Todesmärsche 1945. Im April desselben Jahres wurden er und seine „noch verbliebenen Leidensgenossen, mehr tot als lebendig, von einer amerikanischen Panzer- und Infanterieeinheit befreit". Einige Tage später kam Walkling-Röhn schwach und krank wegen Unterernährung nach Geisenhausen ins Krankenhaus. Dort erwartete ihn seine erste, saubere zivile Kleidung, die ihm damals jedoch nicht passte, da er mit 16 Jahren bei einer Größe von 1,71 m nur 38,5 kg wog. Wie er selbst sagte, halfen ihm der Glaube und die Hoffnung zu überleben, diese grausame Zeit durchzustehen.

Horst Walkling-Röhn möchte in seinen bewegenden Vorträgen den Anlass zum Nachdenken geben. Denn er hat selbst erlebt, dass Menschen zu allem fähig sind und sogar dazu bereit sind, sich über alle Grenzen der Humanität hinwegzusetzen. Mit seinen Vorträgen gewährt er interessierten Zuhörern einen tiefen Einblick in sein Leben. Walkling-Röhn will mit seinem Zeitzeugenbericht warnen, denn „die Gegenwart lässt das Feuer wieder erglimmen, schnell breitet sich aus, was jetzt noch lodert"! Jeder Mensch solle versuchen, sich Ziele im Leben zu setzen und vor allem lernen, Verantwortung zu tragen. Diese müsse nicht nur in Bereichen der Politik oder der Wirtschaft getragen werden, sondern in jeglichen Situationen des eigenen Lebens. Selbstverständlich ist es immer einfacher und bequemer sich seiner eigenen Verantwortung zu entziehen, doch damit würde man nur Holz auf das glimmende Feuer legen, statt es zu löschen.

Zeitzeugen sind immer eine Bereicherung. Durch sie wird die graue und manchmal traurige Geschichte lebendig. Es ist wichtig, dass ihre Erlebnisse und Erfahrungen gehört und weitergegeben werden und somit nicht in Vergessenheit geraten. 

Caroline Thees, Klasse 12 des Gustav-Freytag-Gymnasiums Gotha-Siebleben